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1. Was sind die Werte und Ziele der Ökomodernen?

Wir setzen uns für eine Welt ein, in der alle Menschen, überall auf der Erde, in Wohlstand und Freiheit leben können und Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit haben. Zugleich setzen wir für uns für eine Welt mit florierender natürlicher Umwelt ein.

2. Wie sehen Ökomodernisten den Zustand der Menschheit und der Erde?

Wir sehen ein gemischtes Gesamtbild, mit sowohl erfreulichen als auch besorgniserregenden Entwicklungen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Lebenserwartung der Menschen fast überall auf der Erde erhöht, die Mütter- und die Kindersterblichkeit sind zurückgegangen, der Gesundheitszustand der Menschen hat sich fast überall verbessert, die Impfraten haben sich erhöht. Der Anteil der Kinder und Jugendliche, die eine Schulbildung erhalten, nimmt weltweit zu. Der Anteil Menschen, die in extremer Armut leben, ist zurückgegangen und geht weiter zurück.

Andererseits hat sich der Anteil Menschen, die nach unseren Maßstäben in Wohlstand leben, nur wenig erhöht. Viele Tier- und Pflanzenarten sind wegen menschlicher Aktivitäten ausgestorben oder gefährdet. Der anthropogene Klimawandel stellt eine große Bedrohung für Ökosysteme und das Wohlergehen künftiger Generationen dar.

3. Wie stehen Ökomoderne zum Klimawandel?

Der anthropogene Klimawandel ist ein vertracktes Problem und eine ernsthafte Bedrohung der Menschheit. Er wird verursacht insbesondere durch die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen -- Kohle, Erdöl und Erdgas -- wodurch CO2-Emissionen entstehen. Um den Klimawandel zu begrenzen, müssen wir damit aufhören, fossile Brennstoffe zu nutzen.

Dass die derzeitige anthropogene globale Erwärmung wissenschaftlich gut belegt ist und in der politischen Diskussion seit über 50 Jahren durch Berichte aus der Wissenschaft auch der Politik bekannt ist erläutern wir in einer separaten Q&A.

Dies ist eine große Herausforderung: Historisch gesehen hätte es ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe die großen Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Armutsbekämpfung und Ernährung vermutlich so nicht gegeben. Noch heute sorgen fossile Brennstoffe für den Großteil der weltweiten Energieversorgung. Länder, die sich aus der Nutzung fossiler Brennstoffe zurückziehen, ohne vergleichbar günstige Alternativen zu haben, riskieren nicht nur Wohlstandsverluste sondern auch soziale Verwerfungen. Für ärmere Länder mit derzeit noch vergleichsweise niedrigem Energieverbrauch liegt es nahe, auf fossile Energien zu setzen, um ihren Einwohnern mehr Wohlstand und Lebensqualität zu ermöglichen.

Es wird erst dann für alle Länder der Erde attraktiv, ihren CO2-Ausstoß zu senken, wenn kostengünstige alternative Energiequellen zur Verfügung stehen, die nicht zur Emission von Treibhausgasen führen.

4. Wie steht Ökomoderne zu Solar- und Windenergie?

Solar- und Windenergie zählen zu den wichtigen Alternativen zu fossilen Energieträgern. Sie sind populär, und sie sind in den vergangenen Jahrzehnten um ein Vielfaches billiger geworden. Heute kostet eine Energieeinheit Elektrizität aus Solar- oder Windenergie in Deutschland vergleichbar viel wie eine Energieeinheit aus einem fossilen Kraftwerk, in manchen Gegenden der Erde bereits weniger.

Bisher ist jedoch keinem Land gelungen, die überwiegende Mehrheit auch nur seines Stromverbrauchs (geschweige denn Gesamtenergieverbrauchs) aus Solar- und Windenergie zu beziehen. Einen Überblick über die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Elektrizität in verschiedenen Regionen gibt electricitymap.org. Da Solar- und Windenergie abhängig von Tageszeit und Wetter sind, benötigt man für Zeiträume ohne Wind und Sonnenschein entweder konventionelle Kraftwerke oder in noch nie dagewesenem Umfang Energiespeicher. Der Betrieb dieser Anlagen kostet Geld. Bei einem hohen Anteil von Solar- und Windstrom scheint Elektrizität daher im Regelfall teurer, zu werden, selbst wenn die Kosten für Windturbinen und Solarpanele weiter immer niedriger werden.

Da die Energiedichte von Sonnenlicht und Wind vergleichsweise niedrig ist, benötigen Solar- und Windenergie vergleichsweise viel Fläche. Sie haben außerdem einen vergleichsweise hohen Material- und Ressourcenaufwand.

Der Klimawandel ist ein so schwerwiegendes Problem, dass es uns zu riskant erscheint, alle unsere Hoffnungen nur auf Sonnen- und Windenergie sowie Energiespeicher zu setzen.

5. Wie steht Ökomoderne zur Kernenergie (“Atomenergie”)?

Die Treibhausgasemissionen durch Kernenergie sind pro erzeugter Energieeinheit ähnlich niedrig wie die durch Sonnen- und Windenergie. Frankreich und Schweden haben in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch den Ausbau der Kernenergie ihren CO2-Ausstoß durch Elektrizität schnell und dramatisch gesenkt, ohne dies als Ziel vor Augen zu haben. Beide Länder haben heute günstige, emissionsarme Elektrizität.

Kernenergie verbraucht vergleichsweise wenig Fläche und Ressourcen. Sie ist außerdem, wie Statistiken zeigen -- und auch wenn man es angesichts der Berichterstattung und öffentlichen Meinung in Deutschland kaum glauben mag -- eine der sichersten Formen der Energiegewinnung, womöglich die sicherste. Wir befürworten den Einsatz von Kernenergie und halten den deutschen Atomausstieg für eine tragische Fehlentscheidung. Manche von uns haben einen offenen Brief gegen den Kernenergieausstieg in Deutschland verfasst, den man hier unterschreiben kann.

Unsere Haltung zur Kernenergie wird bei vielen Menschen Unverständnis und Befremden hervorrufen. Wir nehmen demnächst zu einigen häufig gestellten Fragen in einem eigenständigen Q&A Stellung.

Wir erwarten, dass neben Solar-, Wind- und Kernenergie auch Wasserkraft und Geothermie wichtige Rollen spielen werden und befürworten CCS sowie BECCS. Geoengineering-Ansätze sollten geprüft und nicht a priori ausgeschlossen werden.

6. Von welchen anderen Technologien versprechen sich Ökomoderne viel?

Wir befürworten grundsätzlich intensive Landwirtschaft, durch die es gelingt, auf vergleichsweise wenig Land hohe Erträge zu erzielen. Wir sind außerdem offen für den Einsatz gezielt gentechnisch veränderter Kulturpflanzen, durch die der Einsatz von Pestiziden, Dünger und Bewässerung verringert wird, Pflanzen an besondere Umweltbedingungen angepasst werden (Überschwemmungen, Dürre) oder der Ertrag gesteigert werden kann.

Solche Techniken sollten zudem im Gesamtkontext einer modernen und umweltgerechten Agrarpraxis angewandt werden. Dazu gehören Fruchtwechsel, “no-till” Landwirtschaft, und Verfahren, die eine Resistenzbildung von Schädlingen verhindert. Auch sinnvolle Techniken aus der ökologischen Landwirtschaft sollten integriert werden.

Der steigende Fleischkonsum der Menschheit ist eine der größten ethischen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass der Großteil der Menschen zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung übergeht. Wir setzen Hoffnung in nicht-tierische Nahrungsmittel, die tierische Nahrungsmittel imitieren, ihre kulturelle Rolle einnehmen und sie in bedeutendem Umfang ersetzen können.

7. Ist Ökomodernismus politisch eher recht oder eher links?

Manchen erscheint der Ökomodernismus "rechts", weil es vor allem Konservative und Libertäre sind, die unter anderem Kernenergie, Gentechnik und intensive Landwirtschaft befürworten. Anderen erscheint der Ökomodernismus wegen seiner Sorgen um Klimawandel, Armut, Umweltschutz, und eine starke Verantwortlichkeit des Staates, "links", da vor allem Grüne den Umweltschutz im Fokus haben und Linke ein starke Rolle des Staates bis hin zur Verstaatlichung wichtiger Industriezweige fordern.

Ökomodernismus lässt sich nicht im links-rechts-Schema der politischen Positionen einfangen. Dies zeigt sich auch an den politischen Präferenzen von Ökomodernisten und Sympathisanten: Sie repräsentieren fast das gesamte politische Spektrum. Wir wollen, dass es so bleibt. Das politisch-ideologische Schubladendenken steht unserer Ziel, neue und pragmatische Lösungen für brennende Fragen zu finden, nur im Weg.

8. In diesem Q&A geht es ständig um Technologien und ihr Für und Wider. Beruht Ökomodernismus vielleicht auf naiver Technologiegläubigkeit?

Wir befürworten gesellschaftlich umstrittene Technologien wie die Kernenergie oder die grüne Gentechnik nicht aus naiver Technologiegläubigkeit heraus, sondern weil wir die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen ernst nehmen, denen die Menschheit gegenübersteht. Wir halten es für bei weitem riskanter, diese Technologien von vorne herein auszuschließen, anstatt sie auf überlegte Weise zu nutzen.

Ökomodernisten setzen auf eine sachliche und wissenschaftliche Bewertung des Nutzens und der Risiken aller Technologien ein und erkennen, dass bisherige Einschätzungen falsch sein können. Auch die Erwartungen an künftige Entwicklungen von Technologien sollten nüchtern und realistisch sein.